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EIN FLÜCHTIGER ZUG NACH DEM ORIENT

Wenn die Kamera vom Deck des Schiffes auf den endlosen Horizont des Mittelmeeres hinausblickt, entsteht das Bild einer Frau, die rastlos durch die Welt gereist ist. Elisabeth, Kaiserin von Österreich, verschwand immer wieder aus dem Bild. Ab ihrem 31. Lebensjahr ließ sie sich nicht mehr photographieren.
S-16mm - 82’ – color – 1:1,85
Dolby stereo - OV german – english version
subtitles: english, french

a film by Ruth Beckermann
cinematography Nurith Aviv, Sophie Cadet
sound Bruno Pisek
editing Gertraud Luschützky
original music Bruno Pisek, Peter Ponger, Ernst Zettl

premiere Viennale, October 1999
cinema release 1.11.1999, Votiv Kino, Vienna
festivals Berlin, Munich, Karlovy Vary, Jerusalem, Vancouver, Feminale Cologne, Kassel, Lussas, etc.

Das Mysterium der Geschichte hinter dem (fremden) Gesicht beschäftigt Ruth Beckermann seit Jahren. Was meint man zu sehen in einem Gesicht, das man nicht kennt? Sind alle Assoziationen, die einem der Anblick eines Fremden vermittelt, Projektion? Ein Foto der populären Kaiserin, das Beckermann gleich zu Beginn vorlegt, lenkt den Film in diese Bahnen: Es zeugt vom Willen der Regentin, das eigene image zu kontrollieren, das (jugendliche) Bild zu manipulieren und zu erhalten, das sich die Öffentlichkeit von ihr macht.
Die Filmemacherin beschließt, Sisis Reisen in den Orient nachzuvollziehen, mit ungewissem Ergebnis. Sie läßt sich, mit großer Offenheit, dabei auf eine Reise und das Risiko ein, vielleicht auch gar nichts zu finden: keine Spur der realen Figur hinter der Märchenprinzessin, keine Antwort auf die Frage, wie man als privilegierte Reisende mit dem Fremden umzugehen hat. Die Filmemacherin denkt, als Ich- Erzählerin, über verbotene und offizielle, gefälschte und echte Bilder nach, bezieht nebenbei das Problem des touristischen Blicks, dem auch sie selbst nicht entgehen kann, in ihre Überlegungen mit ein. Ruth Beckermanns Orient-Film variiert die Frage nach den Grenzen des mit filmischen Mitteln Darstellbaren mit großer Lust am Ornamentalen und Dekorativen.
STEFAN GRISSEMANN; En Face. Einstellungen, Verstellungen, Vorstellungen. Passage durch Ruth Beckermanns filmisches Werk

Der Blick auf die Fremde, auf den Orient als Bild – als Filmbild wie als Vorstellung – ist mehrfach verschoben, ...Elisabeth bleibt an der Peripherie der Auseinandersetzung, die gar nicht vorgibt, eine akribische Spurensuche oder Rekonstruktion sein zu wollen, sondern statt dessen an der subjektiven Konfrontation mit dem Fremden – der Kaiserin wie dem Land – interessiert ist und an dem, was uneinlösbar dazwischen stehen bleibt.
ISABELLA REICHER, Der Standard, 22.11.1999

... ein Anti-Heimatfilm ... Beckermann begriff diese Auflösung eines festen Bildes der Elisabeth als Chance, sich ihr durch Orte zu nähern, an denen sie Spuren ihres Verschwindens hinterlassen hat. Dieses Sichtbarmachen des Verschwindens zog sich schon immer leitmotivisch durch die Arbeiten der Autorin und Filmerin.
HORST CHRISTOPH, profil 15.11.1999

In langsamen Travellings streift die Kamera durch die Gassen, vollzieht die Fußmärsche der Kaiserin nach: Die Spuren enden irgendwo, verlöschen wie ein Gesicht im Sand, aber die Erinnerung an eine andere Monarchin bleibt bestehen.
DOMINIK KAMALZADEH, Der Standard, 21.-26.10.1999

Ein flüchtiger Zug unterwegs nach dem Orient auf der Suche nach dem Eigenen im Fremden. Auf der Spur der österreichischen Kaiserin Elisabeth, deren Bild heute von der jungen Romy Schneider als Sissi geprägt ist, reist Beckermann nach Ägypten und findet Bilder, hinter deren Oberfläche die Geschichte lauert. Das gelingt Beckermann durch eine zutiefst subjektive Kameraführung, die eher den Blick der Frau als das Gesehene mitteilt. Wie kann ich mich bewegen? Wohin darf ich schauen? Was sehe ich mit welchen Augen? Und plötzlich schaut das Bild einer Frau zurück, Elisabeth, die Kaiserin, die sich nach ihrem 31. Geburtstag nie wieder hat fotografieren lassen.
o.N., Frankfurter Rundschau, 02/2000

„Ich will zu Schiff die Meere durchkreuzen, ein weiblicher Fliegender Holländer, bis ich einmal versunken und verschwunden bin.“
ELISABETH D’AUTRICHE



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